Ja, da kann ich schon berge-und seitenweise von erzählen. Es ist sogar so, dass man mich da immer stoppen muss, weil ich da richtig überschwänglich werde.
Im Grundsatz braucht man fürs junkjournaling das was einem so an Papierenem und Leichtkarton im Alltag in die Hände fällt. Das wäre also: Briefumschläge, Kassenbons, Verpackungsmaterialien, Tüten, Bonbonpapier, Schokoladenpapier, Kartonrollen von Toilettenpapier, Kalenderblätter, Schreibpapier, alte Schulhefte, zerlesene Hefte, alte Bücher, das Apothekenheft, usw. Also wirklich alles was Papieren oder Karton anfällt. Gut eignet sich auch alles was man vom großen Strom übersandt bekommt.
Der nächste Schritt ist eine grundsätzliche Überlegung: Will ich da später noch was reinschreiben können? Brauch ich also Platz zum Schreiben? Soll es ein Motto haben? Eine Farbkombination, ein Inhaltsthema, ein Kunstobjekt an sich?
Will ich da drin etwas aufbewahren? Brauch ich Möglichkeiten, was reinzustecken?
Dann werde ich Taschen (pockets) falten, Papierbänder gestalten (bellybands), natürlich in unterschiedlichsten Formen und Techniken. Das reicht von Kleben über Nähen zu Tackern und Flechten
Will ich es vergrößern können? Will ich Seiten umorganisieren können?
Dann werden die ausgewählten Journalseiten (Signatures) nicht mit Nadel und Faden gebunden, sondern mit Gummiband eingepasst. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten zu Binden, auch das Gummiband kann mit z. B. Ösen kombiniert werden. Man kann soviele Signatures in ein Journal binden wie man mag. Ein Signature umfasst ca. 5 bis 8 gefaltete Seiten. Die Bindung erfolgt dann in der Falz. Da Papier oder dünner Karton verwendet werden, macht man es davon abhängig, ob man mit der Nadel/Ahle noch gut durchstechen kann; ob die Bindung auffallen soll oder nicht. Es gibt Journals vom Signatureumfang von 25 cm in der Höhe, oder mit einem Signature. Es ist alles möglich.
Was für ein Format hätte ich gerne?
Es kann jedes Format haben - freie Auswahl: wie ein Buch, eine Dreierfaltung wie bei Karten, Rund wie ein Teller, nach Oben zu öffnen wie ein Schreibblock. Alles ist machbar. Große Kalenderblätter als Deckblätter - machbar. Bonbonpapier als Deckblatt - machbar. Von supergroß bis mini, wie es beliebt.
Man kann sich ein sogenanntes Masterboard gestalten: Packpapier oder doppelt geklebtes Zeitungs- oder Zeitschriftenpapier. Damit stellt man alles an, was die Kreativität und der Bastelschrank so hergibt: Einzelne Papierstücke aufkleben, Ränder z. B. gerissen, z. B. mit Stempelfarbe gefärbt (inken), mit Stempeln bearbeitet oder mit Schablonen (Stencils) und Farbe gemustert, mit Restestoff beklebt, mit Fadenresten beklebt, mit Heißkleber bemustert....
alles was man hat kann man auch auf dem Masterboard aufbringen.
Bevor das hier ausartet, ihr wisst selbst wie eins zum andern führt: Die Ränder werden also geinkt (um nicht durchgefärbten Papierrand nicht rausleuchten zu lassen, weil man vintage arbeiten mag, weil die Formen so besser rauskommen). Allein die Entscheidung für diese Stempelfarbe kann Minuten dauern: Schwarz (zu sehr Trauerrand?), grau (zu fad), braun (welches, wie angesengt, wie verblichen, vintage?), grün, rot, violett.....Was für eine Stempelfarbe, wasserbasierend? ölbasierend? Werde ich noch mit Farbe dran gehen, soll mein Rand also permanent sein?
Welcher Kleber? Bin ich mutig und frei, darf sich was wellen (wasserbasierter Kleber)? Dürfen Klebestellen zu sehen sein (Klebestift)? Vertraue ich auf die Klebekraft von doppelseitigem Klebeband (löst sich nach bestimmter Zeit)?
Scheren gibt es nicht nur mit normalem Schnitt. Und in verschiedenen Längen.
Lineale gibt es mit Zacken und Wellen aus Metall zum "gleichmäßigen" Reißen.
Jede einzelne Aktion wurde inzwischen von Herstellern aufgegriffen und es gibt unendlich viel Material, das man für viel Geld erwerben kann.
Und das endet natürlich nicht mit dem Deckel und dem Einpassen der Signatures. Das Ganze wird in einzelnen Sitzungen geschmückt. Jede Seite wird im Hinblick auf die weitere Verwendung verziert und gestaltet. Ein Junkjournal kann in 30 Minuten entstehen oder in Wochen.
Alle besonderen Papiere die einem in die Hände fällen, machen die Journals besonders. Das gibt die besondere Haptik (Maulbeerseide, Seide, Graspapier, selbstgeschöpftes Papier). Das Rascheln beim Umblättern (Butterbrotpapier, Backpapier, Architektenpapier).
Es gibt viel auf You Tube zu sehen, es gibt Bücher dazu und ich meine, dass Virtre auch schon dazu geschrieben hatte.
Einen Begriff mag ich noch nennen, die sogenannten Tags (Buchzeichen, Tickets). Es macht sehr viel Spaß Journals zu gestalten. Wenn man ein Themenorientiertes Journal gestalten will, sind die ersten Tage oder Wochen nur mit dem Sammeln gefüllt. Viele Kombinieren Restestoffe, Spitzenreste (von alten Gardinen, Stofftaschentücker, Häkelborten usw.) mit dem Papierenen, die Nähmaschine in der Nähe ist da hilfreich. Gibt ja bei den neuen Maschinen tolle Zierstiche für die Ränder der Seiten. Borten kann man übrigens auch aus Papier machen, Zieharmonika - falten und nähen, das sind dann die Ruffels (Rüschen).
Nu aber gut. Viel Spaß!